Ein Motivationswochenende der etwas anderen Art

Letztes Wochenende war ich zum Motivationstrainer Christian Bischoff nach Kempten eingeladen – eine gute Freundin, die schon mal bei ihm war, hatte mir dafür ein kostenloses Ticket geschenkt. Da in Kempten selbst keine Zimmer mehr zu bekommen waren, habe ich mich in Oy-Mittelberg in das Gästehaus Eckstein eingebucht.

Nun war besagtes Wochenende gekommen, jedoch starkes Regenwetter mit Gewitter im Anmarsch – keine gute Ausgangslage, um mit dem Schönwetter-Oldtimer (meinem derzeit einzigen Auto) zu fahren. Dennoch habe ich es nach Überwindung meiner Zweifel gewagt und versucht Gewitterzonen zu umfahren, was mir auch gelang. Zweifel übrigens deswegen, da das Regenwasser durch’s Verdeck vorne nach innen drückt, wenn es stark regnet, der Unterboden nicht versiegelt ist (Rostgefahr) und mit so einem Wagen einfach immer mal etwas Unerwartetes sein kann… Bevor ich in Mittelberg schließlich bei der Pension ankam, habe ich noch in Oy noch voll getankt, um am nächsten Morgen ohne Verzögerung losfahren zu können. Was ich jedoch nicht einplanen konnte, war die defekte Benzinpumpe, die mir gleich einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen sollte. Als ich nämlich vom Abendessen zurückkam, war der Parkplatz voller Sprit – die Dorfjugend hatte bereits vergeblich versucht mich ausfindig zu machen. Kurzerhand also das Auto mit dem Heck, und damit dem Tank bergab, umgeparkt und eine abgeschnittene Colaflasche untergestellt, um Schlimmeres zu verhindern.

Eines lernt man als Oldtimerfahrer schnell: Pragmatismus und Flexibilität! Wichtige Eigenschaften, die auch in anderen Lebenslagen sehr hilfreich sind… Glücklicherweise bekam ich von einem anderen Gast den Tipp, dass eine Werkstatt in der Nähe sei, was mich dazu veranlasste, auf Google danach zu suchen – und siehe da, es handelte sich sogar um eine Oldtimer Werkstatt! Was für ein Glück! Ich schrieb also Marius von Mayle Oldtimer Custom direkt eine WhatsApp und er sagte mir, dass er ab 11 Uhr am nächsten Tag in der Werkstatt sei – prima, aber viel zu spät, um noch rechtzeitig nach Kempten zur Veranstaltung zu kommen. Was also jetzt tun? Ruhe bewahren und durchatmen. Lässt sich jetzt eh nicht ändern.

Das durfte ich bereits zuletzt in Nepal ausgiebig verinnerlichen, geduldig und ruhig zu bleiben, wenn etwas anders läuft als geplant, und den Weg als Ziel zu genießen – nicht ob, wann oder wie ich ans Ziel komme. Bedeutet konkret: nach einem unruhigen Abend und vielen Überlegungen wie ich es denn noch irgendwie schaffen könnte, habe ich mich am nächsten Morgen erst einmal damit abgefunden, dass ich nicht wie geplant um 7 Uhr nach Kempten fahre. Dafür durfte ich einen Gang runterschalten, um in meine Ruhe zu kommen. Ich habe mich also nach dem Frühstück erstmal mit meiner hellen Stoffhose unters Auto gelegt, um die Schrauben der Benzinpumpe nachzuziehen – in der vergeblichen Hoffnung, dass es das vielleicht schon war. Aber Fehlanzeige! Das Benzin sprudelte munter weiter, sobald der Motor lief, weshalb ich dann sofort die 2,5km in die Werkstatt zu Marius fuhr, bevor es noch schlimmer wurde. Die beste Entscheidung dieses Wochenendes!

Bei ihm angekommen, steckte er mich erst einmal mit seiner ausgeglichenen Art an und holte mich komplett in den Moment, ins Hier und Jetzt. Durchatmen. Ankommen. Sein lassen. Gerade richtete er noch einen silbernen Camaro für einen anderen Kunden her und wir unterhielten uns gleich wie alte Freunde, die sich schon ewig kennen. Ein gemeinsames Interesse verbindet! Ich kam langsam an, in der Werkstatt, im Moment, in meinem alternativen Wochenende. Ab jetzt nahm es nach und nach seinen entspannten Lauf. Wir plauschten noch eine Weile über US-Cars, während er sich der Pumpe annahm, deren Membran gerissen war, und damit zwar für den Heimweg geflickt werden konnte, aber danach trotzdem sofort ausgetauscht gehört.

Da die Heimreise ja jetzt noch gar nicht vorgesehen war, sondern ich bis Sonntag eingecheckt hatte, traf ich also im Verlauf des weiteren Gesprächs mit Marius die Entscheidung, den Oldie bei ihm in der Werkstatt zu lassen und das Wochenende hier in Oy-Mittelberg zu Fuß zu erleben. Ab diesem Moment wendete sich das Blatt komplett zum Positiven! Ich fand mich endgültig mit der veränderten Situation ab und schaltete komplett in den Modus „einfach laufen lassen“ um – ab jetzt konnte ich alles genießen, was da auf mich zukam. Die tollen US-Cars von Marius und seinen Kunden, das schöne Wetter, die sensationelle Landschaft, die angenehme Luft, die freundlichen Begegnungen mit den wunderbaren Menschen, die mir bis vor kurzem noch völlig fremd waren – einfach fantastisch! Lieber Christian Bischoff, so leid es mir tut, aber Du spieltest ab diesem Moment für mich überhaupt keine Rolle mehr an diesem Wochenende. Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

Nachdem wir also in Erinnerung und Geschichten geschwelgt und in der Werkstatt alles besprochen hatten, setze er mich mit seinem riesigen GMC Pickup aus den 70ern wieder oben am Gästehaus ab, von wo aus ich völlig unvorbereitet meine spontane Turnschuh-Tagestour in der Umgebung von Oy-Mittelberg startete. Meine Stimmung stieg von Augenblick zu Augenblick, ich konnte alles wahrnehmen und aufsaugen, was ich sah, hörte und spürte, und war dankbar dafür! Und glücklich. So unendlich glücklich! Ich badete förmlich in Glücksgefühlen, das ganze Wochenende. Und das völlig ohne professionelles Motivationstraining. Ich hatte mir soeben erlaubt, meine eigene Motivation in mir zu entdecken, wie ich dieses Wochenende zu einem unvergesslichen Erlebnis machen konnte. Nur für mich! Ganz allein für mich. Und mein Herz.

Ich summte Melodien auf meinen Lippen, lachte herzlich, streckte meine Fäuste bestärkend in die Höhe und machte überschwengliche Luftsprünge, als hätte ich gerade im Lotto gewonnen. Es war jedoch viel mehr als das: ich hatte soeben eine neue Freiheit und extra Genusszeit für mich gewonnen, das war viel viel mehr wert als alles Geld der Welt! Ich konnte die Natur genießen, das wechselhafte Wetter, die bedrohlichen Gewitterwolken, die aufzogen, den kalten Regen auf meiner Haut, der plötzlich herunterprasselte, die frische Luft um meine Nase, die unverwechselbare Landschaft, einfach alles. Nicht nur die Menschen, die mir begegneten, spürten schon aus der Ferne meine ansteckende gute Laune, sondern auch die Kühe auf der Weide konnten meine sprudelnde Empathie wahrnehmen und fühlten sich förmlich von mir angezogen.

Sie versammelten sich ohne großes Zutun neugierig vor mir und beschnupperten mich minutenlang. Ich zog sie wohl wie ein Magnet an, obwohl sie schnell feststellten, dass ich ja gar nichts zu fressen anbieten konnte. Irgendetwas schien sie jedoch an mir zu faszinieren, und das wiederum beflügelte mich noch mehr! Ich konnte einfach nicht glauben wie mir geschah und badete weiter in ungeahnten Glücksgefühlen wie sie schöner kaum sein könnten. Auf dem Rückweg pfeiffte ich „Pippi Langstrumpf“ auf meinen Lippen, als ich an der Pferdekoppel vorbeihüpfte, und fühlte mich wie Tommy, der gerade Pippi Langstrumpf kennengelernt hatte und endlich machen durfte was er wollte. So schön.

Ich wanderte am Sonntagmorgen bei leichtem Nieselregen zum Bahnhof, von wo ich den Regionalzug nach Kempten nahm, um dort noch einen sonnigen Tag mit weiteren unglaublichen Erlebnissen zu verbringen. Wenn es erst einmal läuft, dann läuft es. Beim Ausstieg begegnete ich plötzlich Marcel Leeb, einem Kollegen aus München, dem ich zuletzt beim Trekking im Himalaya begegnet war – solche Zufälle gibt es nicht! Wir unterhielten uns kurz und verabredeten uns auf einen Kaffee in München. Ich genoß noch die vielseitigen Eindrücke der Stadt bei Kaffee und Kuchen mit rosa Sahne im Sissi, wo ich einigen Bischoff-Schwänzern (zu erkennen am roten Armband) begegnete, die weitaus weniger glücklich wirkten als ich es weiterhin war. Dann ging es wieder zurück nach München, wo ich den Tag nach einer weiteren magischen Begegnung im Biergarten mit bester Laune und „Hey Pippi Langstrumpf“ auf den Lippen ausklingen ließ.

Was für ein unvergessliches Hapiness-Wochenende!!!!!!!!!!